Kariesdiagnostik

Karies früh erkennen – richtig beurteilen – Zahnsubstanz erhalten

Karies beginnt nicht erst dann, wenn ein sichtbares „Loch“ im Zahn entstanden ist. Veränderungen der Zahnhartsubstanz können wesentlich früher beginnen und sich über längere Zeit unterschiedlich entwickeln.

Eine sorgfältige Kariesdiagnostik hat deshalb nicht nur das Ziel, Karies möglichst früh zu entdecken. Entscheidend ist, eine Veränderung richtig einzuschätzen und daraus die medizinisch sinnvolle Konsequenz abzuleiten.

Denn eine früh erkannte Veränderung bedeutet nicht automatisch, dass ein Zahn sofort gebohrt und gefüllt werden muss.

Eine frühe Diagnose bedeutet nicht automatisch eine frühe invasive Behandlung.

Je genauer wir verstehen, was an einem Zahn geschieht, desto gezielter können wir entscheiden, ob eine Behandlung notwendig ist – und welche Maßnahmen geeignet sind, möglichst viel natürliche Zahnsubstanz zu erhalten.

Inhaltsverzeichnis

Karies entsteht nicht von einem Tag auf den anderen

Karies ist ein Prozess, der sich meist über einen längeren Zeitraum entwickelt.

An der Zahnoberfläche finden ständig natürliche Austauschprozesse statt: Mineralstoffe können aus dem Zahnschmelz herausgelöst, unter geeigneten Bedingungen aber auch wieder eingelagert werden. Man spricht dabei von Demineralisation und Remineralisation.

Gerät dieses Gleichgewicht über längere Zeit aus der Balance, können erste Veränderungen im Zahnschmelz entstehen.

In einem frühen Stadium kann die Oberfläche des Zahnes noch vollständig erhalten sein. Es besteht also noch kein sichtbares „Loch“, obwohl sich die Zahnhartsubstanz bereits verändert hat.

Das ist für die weitere Behandlung ein entscheidender Unterschied.

Denn solange die Zahnoberfläche noch erhalten ist, bestehen – abhängig von der individuellen Situation – Möglichkeiten, den Kariesprozess zu beeinflussen, ohne den Zahn sofort mit Bohrer und Füllung behandeln zu müssen.

Karies früh zu erkennen eröffnet daher vor allem eines: mehr Möglichkeiten, natürliche Zahnsubstanz zu erhalten.

Früh erkennen ist wichtig. Entscheidend ist die richtige Einordnung.

Eine auffällige Stelle zu entdecken ist nur der erste Schritt.

Danach müssen wir beurteilen, was dieser Befund für den Zahn tatsächlich bedeutet.

Dabei spielen mehrere Fragen eine Rolle:

  • Wo befindet sich die Veränderung?
  • Wie weit ist sie fortgeschritten?
  • Ist die Zahnoberfläche noch intakt oder bereits eingebrochen?
  • Gibt es Hinweise darauf, dass der Kariesprozess aktiv ist?
  • Wie hoch ist das persönliche Kariesrisiko?
  • Hat sich der Befund seit einer früheren Untersuchung verändert?

Erst aus dem Zusammenspiel dieser Informationen entsteht ein möglichst vollständiges Bild.

Deshalb sollte weder ein einzelnes Bild noch ein einzelner Messwert für sich allein darüber entscheiden, ob ein Zahn behandelt werden muss.

Je genauer wir eine Veränderung beurteilen können, desto gezielter können wir entscheiden, ob überhaupt – und wenn ja, wie – behandelt werden sollte.

Kariesdiagnostik besteht aus mehreren Bausteinen

Am Anfang steht die sorgfältige klinische Untersuchung der Zähne.

Dabei betrachten wir die Zahnoberflächen und achten auf Veränderungen, die auf einen beginnenden oder bereits fortgeschrittenen Kariesprozess hinweisen können.

Nicht alle Bereiche eines Zahnes lassen sich jedoch mit bloßem Auge gleich gut beurteilen. Besonders die Kontaktflächen zwischen benachbarten Zähnen oder feine Vertiefungen auf den Kauflächen können schwer einsehbar sein.

Je nach Situation können deshalb weitere diagnostische Verfahren zusätzliche Informationen liefern.

Neben der klinischen Untersuchung und – wenn medizinisch erforderlich – Röntgenaufnahmen stehen heute auch moderne optische und fluoreszenzbasierte Untersuchungsmethoden zur Verfügung.

In der Zahnarztpraxis am Vorgartenmarkt nutzen wir hierfür unter anderem DIAGNOcam und DIAGNOdent.

Beide Verfahren kommen ohne ionisierende Röntgenstrahlung aus. Sie funktionieren jedoch auf unterschiedliche Weise – und können deshalb auch unterschiedliche Informationen liefern.

Klinische Untersuchung der Zahnoberflächen als Grundlage der Kariesdiagnostik

DIAGNOcam – Karies mit Nahinfrarotlicht sichtbar machen

Die DIAGNOcam durchleuchtet den Zahn mit Licht im nahen Infrarotbereich.

Gesunde und veränderte Zahnhartsubstanz beeinflussen die Ausbreitung dieses Lichtes unterschiedlich. Dadurch können bestimmte Veränderungen im Zahn auf einem digitalen Bild sichtbar gemacht werden.

Besonders hilfreich kann dies bei schwer einsehbaren Bereichen zwischen benachbarten Zähnen sein.

Die Untersuchung erfolgt ohne ionisierende Röntgenstrahlung.

Ein weiterer Vorteil ist die bildliche Darstellung: Die Aufnahmen können am Bildschirm gemeinsam betrachtet werden. So können wir unseren Patienten zeigen, was wir sehen, und verständlich erklären, wie wir einen Befund einschätzen.

Die DIAGNOcam ersetzt Röntgenaufnahmen jedoch nicht grundsätzlich. Welche diagnostischen Verfahren sinnvoll oder notwendig sind, hängt immer von der jeweiligen Fragestellung ab.

Mehr über Kariesdiagnostik mit DIAGNOcam

DIAGNOdent – zusätzliche Informationen durch Laserfluoreszenz

DIAGNOdent arbeitet nach einem anderen Prinzip.

Mit Hilfe von Laserfluoreszenz werden bestimmte Veränderungen an der Zahnhartsubstanz erfasst. Das Gerät liefert dabei einen Messwert, der uns zusätzliche Informationen zur Beurteilung einer auffälligen Zahnoberfläche geben kann.

Solche Messungen können auch für die Verlaufskontrolle interessant sein. Wird eine geeignete Stelle zu einem späteren Zeitpunkt erneut untersucht, können die Ergebnisse zusammen mit den übrigen Befunden verglichen werden.

Wichtig ist dabei:

Ein Messwert allein ist noch keine Diagnose.

Der DIAGNOdent-Wert zeigt auch nicht einfach die „Tiefe“ einer Karies an und entscheidet nicht darüber, ob gebohrt werden muss.

Er ist vielmehr ein zusätzlicher Baustein der Diagnostik und wird gemeinsam mit der klinischen Untersuchung und gegebenenfalls weiteren Befunden beurteilt.

Mehr über Kariesdiagnostik mit DIAGNOdent

Unterschiedliche Verfahren liefern unterschiedliche Informationen

Klinische Untersuchung, DIAGNOcam, DIAGNOdent und Röntgendiagnostik sind keine austauschbaren Untersuchungsmethoden.

Jedes Verfahren betrachtet einen Zahn auf andere Weise und kann dadurch unterschiedliche Informationen liefern.

Deshalb lautet für uns die entscheidende Frage nicht: Welches Verfahren ist das beste?

Sondern: Welche Information benötigen wir, um diesen Zahn in dieser Situation möglichst gut beurteilen zu können?

Manchmal reicht die klinische Untersuchung aus. In anderen Situationen kann eine zusätzliche optische Untersuchung sinnvoll sein. Und bei bestimmten Fragestellungen bleibt eine Röntgenaufnahme medizinisch wichtig.

Moderne Kariesdiagnostik bedeutet für uns deshalb nicht, möglichst viele technische Verfahren einzusetzen.

Es bedeutet, die geeignete Diagnostik dort einzusetzen, wo sie für die medizinische Entscheidung einen sinnvollen zusätzlichen Erkenntnisgewinn bringt.

Moderne digitale Diagnostik am Zahn mit optischen Untersuchungsverfahren

Veränderungen beobachten statt vorschnell behandeln

Wird eine frühe Veränderung entdeckt, muss daraus nicht automatisch eine Füllung entstehen.

Bei geeigneten Befunden kann es sinnvoll sein, die Situation zunächst gezielt zu beeinflussen, zu dokumentieren und anschließend kontrolliert zu beobachten. Das bezeichnet man als Karies-Monitoring.

Dabei können beispielsweise klinische Befunde, Bilder oder Messwerte aus unterschiedlichen Untersuchungszeitpunkten miteinander verglichen werden.

So interessiert uns nicht nur: Wie sieht der Zahn heute aus? Sondern auch: Was geschieht mit dieser Stelle im Laufe der Zeit?

Bleibt sie stabil? Zeigen sich Zeichen einer Verbesserung? Oder schreitet der Kariesprozess weiter fort?

Diese Information kann für die Entscheidung über die weitere Behandlung sehr wertvoll sein.

Beobachten bedeutet dabei nicht, nichts zu tun. Es bedeutet, einen Befund bewusst zu begleiten, beeinflussbare Risikofaktoren zu berücksichtigen und auf Veränderungen gezielt zu reagieren.

Gerade bei frühen Kariesstadien kann ein solches Vorgehen dazu beitragen, eine invasive Behandlung zu vermeiden oder erst dann durchzuführen, wenn sie tatsächlich notwendig wird.

Was geschieht, wenn wir Karies früh erkennen?

Hier zeigt sich, warum eine differenzierte Diagnostik so wichtig ist.

Denn Karies ist nicht in jedem Stadium gleich – und deshalb muss auch die Behandlung nicht immer gleich aussehen.

Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt davon ab, wie weit eine Veränderung fortgeschritten ist und ob der Kariesprozess noch aktiv ist. Auch die Beschaffenheit der Zahnoberfläche und das persönliche Kariesrisiko spielen dabei eine Rolle.

Je nach Ausgangssituation stehen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung.

Karies kontrollieren und Remineralisation unterstützen

Bei frühen Veränderungen können zunächst Maßnahmen im Vordergrund stehen, die den Kariesprozess kontrollieren und die natürlichen Remineralisationsprozesse unterstützen.

Dazu gehören beispielsweise eine individuell angepasste Mundhygiene, die Berücksichtigung relevanter Ernährungs- und Risikofaktoren sowie geeignete Fluoridmaßnahmen.

Für bestimmte frühe Kariesläsionen stehen darüber hinaus moderne peptidbasierte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dabei werden spezielle Peptide eingesetzt, um die Remineralisation innerhalb einer beginnenden Kariesläsion gezielt zu unterstützen.

Voraussetzung ist eine sorgfältige Diagnostik, denn diese Form der Behandlung eignet sich nicht für jede Karies und nicht für jedes Stadium.

Mehr über die peptidbasierte Behandlung früher Karies

Karies mikroinvasiv behandeln – Icon Kariesinfiltration

Bei bestimmten frühen Kariesläsionen mit noch erhaltener Zahnoberfläche kann eine Kariesinfiltration mit Icon infrage kommen.

Bei der Behandlung dringt ein speziell entwickeltes, sehr dünnfließendes Infiltrationsmaterial in die poröse Struktur der Kariesläsion ein und verschließt dort mikroskopisch kleine Poren. Dadurch wird die weitere Ausbreitung des Kariesprozesses gehemmt.

Das Verfahren unterscheidet sich damit grundlegend von einer klassischen Füllung.

Die peptidbasierte Behandlung und die Kariesinfiltration verfolgen unterschiedliche therapeutische Prinzipien. Welche Möglichkeit geeignet ist, hängt vom jeweiligen Befund ab.

Mehr über Kariesinfiltration mit Icon

Wenn eine Restauration notwendig wird

Ist bereits so viel Zahnsubstanz geschädigt oder verloren gegangen, dass der Zahn restauriert werden muss, verändert sich die Behandlung.

Dann geht es nicht mehr allein darum, einen frühen Kariesprozess zu beeinflussen. Der entstandene Defekt muss versorgt werden.

Aber auch jetzt bleibt für uns eine Frage zentral: Wie viel gesunde natürliche Zahnsubstanz können wir erhalten?

Minimalinvasive und adhäsive Behandlungskonzepte ermöglichen es heute in vielen Situationen, einen Zahn gezielter zu versorgen und den Umfang einer notwendigen Präparation möglichst gering zu halten.

Hier schließt sich der Kreis zur biomimetischen Zahnmedizin. Sie orientiert sich bei der Wiederherstellung eines geschädigten Zahnes – wo medizinisch sinnvoll und möglich – an dessen natürlicher Struktur, Funktion und Belastbarkeit.

Mehr über Biomimetische Zahnmedizin

Denn natürliche Gesundheit zu erhalten ist, wo immer es möglich ist, besser, als verlorene Strukturen ersetzen zu müssen.

Zahnmodell zur Veranschaulichung von Zahnstruktur und Erhalt natürlicher Zahnsubstanz

Von der frühen Veränderung zur richtigen Entscheidung

Damit ergibt sich ein anderer Blick auf Karies als die klassische Vorstellung: Karies entdecken → bohren → füllen.

Moderne Kariesdiagnostik ermöglicht eine differenziertere Vorgehensweise:

Veränderung erkennen → Befund verstehen → Entwicklung und Risiko beurteilen → geeignete Behandlung wählen → möglichst viel natürliche Zahnsubstanz erhalten.

Das bedeutet nicht, notwendige Behandlungen hinauszuzögern. Wenn eine invasive Behandlung medizinisch erforderlich ist, sollte sie auch durchgeführt werden.

Aber ebenso wenig sollte gesunde Zahnsubstanz entfernt werden, wenn eine frühe Veränderung mit einem weniger invasiven Vorgehen sinnvoll kontrolliert oder behandelt werden kann.

Unser Ziel ist nicht, möglichst früh zu behandeln, sondern möglichst früh zu wissen, welche Behandlung tatsächlich notwendig ist – und welche nicht.

Mehr über modernes Kariesmanagement und Kariestherapie

Häufige Fragen zur Kariesdiagnostik

Kann man Karies erkennen, bevor ein Loch entsteht?

Ja. Veränderungen der Zahnhartsubstanz können bereits entstehen, während die Oberfläche des Zahnes noch intakt ist.

Gerade diese frühen Stadien sind wichtig, weil je nach Befund noch Möglichkeiten bestehen können, den Kariesprozess zu kontrollieren, die Remineralisation zu unterstützen oder mikroinvasiv zu behandeln.

Eine frühe Karies sollte beurteilt und bei einem aktiven Prozess auch entsprechend betreut werden. Das bedeutet aber nicht automatisch Bohren und Füllen.

Je nach Situation können präventive Maßnahmen, Unterstützung der Remineralisation, eine mikroinvasive Therapie oder ein kontrolliertes Monitoring sinnvoll sein.

Bereits verloren gegangene Zahnsubstanz wächst nicht einfach wieder nach.

Bei einer frühen Karies mit noch erhaltener Zahnoberfläche können die zugrunde liegenden Demineralisationsprozesse jedoch gestoppt und eine erneute Einlagerung von Mineralstoffen unterstützt werden.

Deshalb ist es so wichtig zu unterscheiden, in welchem Stadium sich eine Karies befindet.

Nicht grundsätzlich.

DIAGNOcam kann bei bestimmten Fragestellungen wertvolle Informationen liefern und benötigt dafür keine ionisierende Röntgenstrahlung. Röntgenaufnahmen können jedoch andere diagnostische Informationen liefern und bleiben bei entsprechender medizinischer Indikation wichtig.

Welche Untersuchung sinnvoll ist, entscheiden wir abhängig von der individuellen Situation.

Beide Verfahren können die Kariesdiagnostik ergänzen, funktionieren aber unterschiedlich.

DIAGNOcam arbeitet mit Nahinfrarotlicht und macht bestimmte Veränderungen im Zahn bildlich sichtbar.

DIAGNOdent arbeitet mit Laserfluoreszenz und liefert einen Messwert, der als zusätzliche Information in die Beurteilung einfließen kann.

Es geht deshalb nicht darum, welches der beiden Verfahren „besser“ ist. Entscheidend ist, welche diagnostische Information in der jeweiligen Situation benötigt wird.

Kariesdiagnostik in der Zahnarztpraxis am Vorgartenmarkt

In der Zahnarztpraxis am Vorgartenmarkt in 1020 Wien, in der Leopoldstadt, verstehen wir Kariesdiagnostik als Grundlage einer möglichst gezielten und zahnerhaltenden Behandlung.

Wir möchten Veränderungen früh erkennen, sie sorgfältig beurteilen und unseren Patienten verständlich erklären, was wir sehen.

Moderne diagnostische Möglichkeiten wie DIAGNOcam und DIAGNOdent können uns dabei zusätzliche Informationen liefern. Sie ergänzen die sorgfältige klinische Untersuchung und werden dort eingesetzt, wo sie für die jeweilige Fragestellung sinnvoll sind.

Aus der Diagnostik ergibt sich anschließend nicht automatisch eine bestimmte Behandlung. Es ergibt sich zunächst eine medizinische Entscheidung.

Beobachten, Remineralisation unterstützen, mikroinvasiv behandeln oder restaurieren – welcher Weg sinnvoll ist, hängt vom einzelnen Zahn und von der individuellen Situation ab.

Denn je besser wir verstehen, was an einem Zahn tatsächlich geschieht, desto gezielter können wir entscheiden, was er braucht – und was nicht.

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