Warum Mund und Körper enger miteinander verbunden sind, als viele denken
Was im Mund geschieht, bleibt nicht immer auf den Mund beschränkt.
Unser Zahnfleisch und der Zahnhalteapparat sind Teil unseres Körpers – durchblutet, immunologisch aktiv und eingebunden in zahlreiche biologische Prozesse.
Eine Parodontitis ist deshalb mehr als eine Erkrankung rund um die Zähne. Sie ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der das Immunsystem über längere Zeit auf einen veränderten bakteriellen Biofilm reagiert.
Diese Entzündungsprozesse können über den Mund hinaus von Bedeutung sein.
Heute bestehen gut untersuchte Zusammenhänge zwischen Parodontitis und verschiedenen Allgemeinerkrankungen. Besonders deutlich zeigt sich dies beim Diabetes mellitus. Auch die Verbindung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist wissenschaftlich umfassend untersucht. Während einer Schwangerschaft verdient die Zahnfleischgesundheit ebenfalls besondere Aufmerksamkeit.
Auch zwischen Parodontitis und bestimmten chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis zeigen sich medizinisch relevante Verbindungen.
Und die Forschung geht weiter: Zunehmend beschäftigt sie sich mit der Frage, welche Bedeutung chronische Entzündungen im Mund auch für andere Bereiche unserer Gesundheit haben können – bis hin zu Gehirn und Nervensystem.
Mundgesundheit und Allgemeingesundheit lassen sich deshalb heute nicht mehr vollkommen getrennt voneinander betrachten.
Wie kann eine Entzündung im Mund den Körper erreichen?
Bei einer Parodontitis besteht über längere Zeit eine entzündete Grenzfläche zwischen dem bakteriellen Biofilm in den Zahnfleischtaschen und unserem Körper.
Dabei bleibt die Reaktion nicht ausschließlich lokal.
Bakterien und bakterielle Bestandteile können aus entzündeten Zahnfleischtaschen vorübergehend in die Blutbahn gelangen. Gleichzeitig setzt die Immunreaktion auf die Parodontitis Entzündungsmediatoren frei, die Teil einer systemischen Entzündungsantwort sein können.
Damit bestehen biologisch nachvollziehbare Wege, über die eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparates mit Vorgängen an anderen Stellen des Körpers verbunden sein kann.
Gleichzeitig teilen Parodontitis und verschiedene Allgemeinerkrankungen gemeinsame Einflussfaktoren. Rauchen, Diabetes, Übergewicht, Ernährung, Stress und genetische Voraussetzungen können mehrere Erkrankungsprozesse gleichzeitig beeinflussen.
Die Zusammenhänge sind deshalb komplexer als eine einfache Kette von Ursache und Wirkung.
Aber die Vorstellung, Erkrankungen des Mundes grundsätzlich isoliert vom übrigen Körper zu betrachten, entspricht nicht mehr unserem heutigen medizinischen Verständnis.
Diabetes und Parodontitis – eine echte Wechselwirkung
Kaum ein Zusammenhang zwischen Mund- und Allgemeingesundheit ist so gut untersucht wie der zwischen Diabetes mellitus und Parodontitis.
Die Beziehung verläuft in beide Richtungen.
Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel verändert unter anderem Entzündungs- und Heilungsprozesse. Menschen mit unzureichend eingestelltem Diabetes haben deshalb ein erhöhtes Risiko für Parodontitis und häufig auch für einen ungünstigeren Verlauf.
Umgekehrt kann eine ausgeprägte Parodontitis die systemische Entzündungsbelastung erhöhen und die Blutzuckerkontrolle erschweren.
Die Behandlung einer Parodontitis kann bei Menschen mit Diabetes nicht nur die Mundgesundheit verbessern. Studien zeigen auch günstige Auswirkungen auf die Blutzuckereinstellung.
Diabetes kann die Parodontitis beeinflussen – und Parodontitis den Diabetes.
Für Menschen mit Diabetes ist die regelmäßige Kontrolle von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat deshalb ein wichtiger Bestandteil der gesundheitlichen Betreuung.
Umgekehrt kann bei Menschen mit Parodontitis und entsprechenden Hinweisen auch eine ärztliche Abklärung des Zuckerstoffwechsels sinnvoll sein.
Herz und Gefäße – ein gut untersuchter Zusammenhang
Zwischen Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht ein wissenschaftlich gut dokumentierter Zusammenhang.
Menschen mit Parodontitis haben ein erhöhtes Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders schwere Formen der Parodontitis sind mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden.
Dafür gibt es biologisch plausible Erklärungsmodelle.
Bei einer Parodontitis können Bakterien und bakterielle Bestandteile wiederholt in die Blutbahn gelangen. Gleichzeitig können chronische Entzündungsprozesse und Veränderungen der Immunantwort systemische Auswirkungen haben. Diese Mechanismen werden auch im Zusammenhang mit Gefäßveränderungen und Arteriosklerose untersucht.
Hinzu kommen gemeinsame Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck und Lebensstilfaktoren.
Eine Parodontitis ist damit nicht als einzelne Ursache eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls zu verstehen. Sie ist jedoch Teil eines gesundheitlichen Gesamtbildes, in dem chronische Entzündungsprozesse zunehmend Beachtung finden.
Gesundes Zahnfleisch ersetzt keine kardiologische Vorsorge. Aber die Gesundheit des Zahnhalteapparates gehört zu einer umfassenden gesundheitlichen Vorsorge dazu.
Gerade bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte deshalb auch die parodontale Gesundheit berücksichtigt werden.
Schwangerschaft – warum das Zahnfleisch besondere Aufmerksamkeit verdient
Eine Schwangerschaft verändert vieles – auch das Zahnfleisch.
Die hormonellen Veränderungen während einer Schwangerschaft beeinflussen die Reaktion des Zahnfleisches auf bakterielle Beläge. Es kann dadurch leichter zu Rötungen, Schwellungen und Zahnfleischbluten kommen. Bereits bestehende Entzündungen können sich verstärken.
Doch die Bedeutung der Mundgesundheit während einer Schwangerschaft geht darüber hinaus.
Zwischen einer mütterlichen Parodontitis und ungünstigen Schwangerschaftsverläufen wurden Zusammenhänge beschrieben – unter anderem mit Frühgeburt, niedrigem Geburtsgewicht und Präeklampsie. Auch der Zusammenhang mit dem Zuckerstoffwechsel und Schwangerschaftsdiabetes ist Gegenstand der medizinischen Forschung.
Schwangerschaftskomplikationen entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel zahlreicher Faktoren. Eine Parodontitis ist daher nicht als alleinige Ursache solcher Ereignisse zu verstehen.
Für die Praxis ergibt sich daraus dennoch eine klare Konsequenz:
Eine Schwangerschaft ist ein guter Zeitpunkt, der Gesundheit von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Idealerweise beginnt dies bereits bei der Planung einer Schwangerschaft.
Und auch während einer Schwangerschaft können notwendige zahnärztliche und nichtchirurgische parodontale Behandlungen durchgeführt werden. Eine behandlungsbedürftige Entzündung sollte nicht allein deshalb bestehen bleiben, weil eine Patientin schwanger ist.
Rheumatoide Arthritis und Parodontitis – wenn chronische Entzündungen zusammentreffen
Auch zwischen rheumatoider Arthritis und Parodontitis besteht ein wissenschaftlich gut untersuchter Zusammenhang.
Die rheumatoide Arthritis ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung. Parodontitis ist ebenfalls durch eine fehlregulierte Immunantwort auf einen veränderten bakteriellen Biofilm und eine anhaltende Entzündung des Gewebes geprägt.
Beide Erkrankungen weisen damit gemeinsame entzündliche und immunologische Merkmale auf.
Menschen mit rheumatoider Arthritis sind häufiger auch von einer beeinträchtigten parodontalen Gesundheit betroffen. Umgekehrt zeigen Untersuchungen, dass eine bestehende Parodontitis mit einer höheren Krankheitsaktivität der rheumatoiden Arthritis verbunden sein kann.
Besonders interessant ist dabei die Frage, welche biologischen Mechanismen beide Erkrankungen miteinander verbinden. Untersucht werden unter anderem gemeinsame Entzündungsmediatoren, Veränderungen der Immunregulation sowie Prozesse rund um die Citrullinierung von Proteinen, die bei der Entstehung der rheumatoiden Arthritis eine wichtige Rolle spielen.
Auch bestimmte Mikroorganismen des periodontalen Biofilms stehen dabei im wissenschaftlichen Interesse.
Studien zeigen darüber hinaus, dass die Behandlung einer bestehenden Parodontitis bei Menschen mit rheumatoider Arthritis neben der Verbesserung der Mundgesundheit auch mit einer Verringerung von Entzündungsparametern und der rheumatologischen Krankheitsaktivität einhergehen kann.
Wie groß und wie dauerhaft dieser zusätzliche Effekt ist, wird weiter untersucht.
Für die medizinische Praxis ist die grundsätzliche Konsequenz dennoch klar:
Bei Menschen mit rheumatoider Arthritis verdient auch die Gesundheit des Zahnhalteapparates besondere Aufmerksamkeit.
Dabei sprechen wir bewusst von rheumatoider Arthritis und nicht allgemein von „Rheuma“. Unter diesem Begriff werden sehr unterschiedliche Erkrankungen zusammengefasst, für die nicht automatisch dieselben wissenschaftlichen Zusammenhänge gelten.
Mundgesundheit und Gehirn – ein aktuelles Forschungsfeld
Besonders interessant entwickelt sich derzeit die Forschung zu möglichen Zusammenhängen zwischen chronischen Entzündungen im Mund und der Gesundheit unseres Gehirns.
Im Mittelpunkt stehen dabei kognitive Beeinträchtigungen und Demenzerkrankungen einschließlich der Alzheimer-Erkrankung.
In Beobachtungsstudien und wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten zeigt sich wiederholt ein Zusammenhang zwischen Parodontitis und einem erhöhten Auftreten kognitiver Beeinträchtigungen beziehungsweise Demenzerkrankungen.
Dafür werden verschiedene biologische Mechanismen untersucht. Dazu gehören systemische Entzündungsprozesse, Veränderungen der Immunantwort sowie die mögliche Bedeutung periodontaler Mikroorganismen und ihrer Bestandteile.
Anders als beim Diabetes ist hier jedoch noch keine bidirektionale Beziehung in vergleichbarer Weise etabliert.
Hinzu kommt ein wichtiger gegenläufiger Effekt: Kognitive Einschränkungen können die selbstständige Mundhygiene erschweren, Ernährungsgewohnheiten verändern und regelmäßige zahnärztliche Betreuung schwieriger machen. Dadurch kann sich wiederum die Mundgesundheit verschlechtern.
Dass zwischen Parodontitis und kognitiver Gesundheit Zusammenhänge bestehen, wird zunehmend deutlich. Wie groß der ursächliche Anteil einzelner Mechanismen daran ist, gehört zu den wichtigen Fragen der aktuellen Forschung.
Auch das Nervensystem rückt in den Fokus
Die wissenschaftliche Aufmerksamkeit richtet sich inzwischen auch auf weitere neurologische und neuroimmunologische Erkrankungen.
Ein Beispiel ist die Multiple Sklerose.
Beide Erkrankungen sind durch komplexe immunologische und entzündliche Vorgänge geprägt. Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit Multipler Sklerose häufiger auch eine beeinträchtigte parodontale Gesundheit aufweisen können.
Die bisherige Datenbasis ist jedoch wesentlich kleiner als bei Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder rheumatoider Arthritis.
Deshalb gehört die Verbindung zwischen Parodontitis und Multipler Sklerose derzeit klar in den Bereich der weiterführenden Forschung.
Gerade diese Abstufung ist wichtig: Medizinischer Fortschritt bedeutet nicht nur, neue Zusammenhänge wahrzunehmen, sondern auch zu unterscheiden, was bereits gut belegt ist und was wir erst beginnen besser zu verstehen.
Was die Forschung außerdem untersucht
Die Bedeutung chronischer oraler Entzündungen wird inzwischen in zahlreichen medizinischen Fachgebieten untersucht.
Neben den bereits beschriebenen Zusammenhängen beschäftigen sich Forschungsarbeiten unter anderem mit Atemwegserkrankungen, chronischen Nierenerkrankungen und verschiedenen Stoffwechselerkrankungen.
Auch mögliche Beziehungen zu Migräne und weiteren Krankheitsbildern werden wissenschaftlich untersucht.
Dabei ist die Evidenz nicht für alle Erkrankungen gleich.
Entscheidend ist nicht, möglichst viele Erkrankungen mit Parodontitis in Verbindung zu bringen. Entscheidend ist, medizinisch relevante Zusammenhänge richtig einzuordnen.
Was bedeutet das für Sie?
Die wissenschaftlichen Zusammenhänge zwischen Mund und Körper können komplex sein.
Die Konsequenz für den einzelnen Menschen ist wesentlich einfacher.
Eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparates sollte diagnostiziert und behandelt werden – zunächst deshalb, weil sie Zahnfleisch, Knochen und langfristig den Erhalt der eigenen Zähne gefährden kann.
Gleichzeitig wissen wir heute, dass die parodontale Gesundheit Teil eines größeren gesundheitlichen Zusammenhangs ist.
Deshalb interessieren uns bei einer Parodontitis nicht nur Zahnfleischtaschen und Röntgenbilder.
Auch Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, rheumatoide Arthritis, Medikamente, Rauchen, eine Schwangerschaft und weitere gesundheitliche Faktoren können für die Beurteilung und Behandlung von Bedeutung sein.
Es geht dabei nicht darum, hinter jeder Allgemeinerkrankung eine Ursache im Mund zu suchen.
Es geht darum, den Mund als Teil des Menschen zu betrachten.
Wenn Zahnmedizin und Medizin zusammengehören
Gerade bei chronischen Erkrankungen kann es sinnvoll sein, Zahnmedizin und Allgemeinmedizin nicht vollkommen getrennt voneinander zu betrachten.
Bei Diabetes ist diese Verbindung besonders deutlich. Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, rheumatoider Arthritis, in der Schwangerschaft oder bei komplexen gesundheitlichen Situationen kann der Austausch zwischen Zahnmedizin und behandelnden Ärztinnen und Ärzten sinnvoll sein.
Umgekehrt können bestimmte Befunde in der Zahnarztpraxis Anlass geben, eine weiterführende ärztliche Abklärung zu empfehlen.
Deshalb gehört für uns zur sorgfältigen parodontalen Diagnostik auch der Blick auf die allgemeine Gesundheit.
Nicht, weil Zahnmedizin jede Erkrankung erklären kann.
Sondern weil gute Medizin Zusammenhänge dort berücksichtigt, wo sie für den Menschen relevant sind.
Zähne und Zahnfleisch gehören zu keinem anderen Körper als Herz, Gefäße, Gelenke, Stoffwechsel und Immunsystem.
Mundgesundheit ist Teil unserer Gesundheit
Unser Wissen über die Beziehungen zwischen Parodontitis und Allgemeinerkrankungen hat sich in den vergangenen Jahren erheblich erweitert – und die Forschung entwickelt sich weiter.
Bei Diabetes kennen wir heute eine klare wechselseitige Beziehung.
Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht ein gut dokumentierter epidemiologischer Zusammenhang mit biologisch plausiblen Mechanismen.
Während der Schwangerschaft wissen wir, dass hormonelle Veränderungen die Zahnfleischgesundheit beeinflussen und dass eine bestehende Parodontitis besondere Beachtung verdient.
Bei der rheumatoiden Arthritis zeigen sich relevante Verbindungen zwischen zwei chronisch-entzündlichen Erkrankungen, deren gemeinsame immunologische Mechanismen intensiv untersucht werden.
Und bei Erkrankungen des Gehirns und Nervensystems beginnt die Forschung, Zusammenhänge besser zu verstehen, deren Bedeutung noch weiter geklärt werden muss.
Diese Unterschiede gehören für uns zu einer seriösen medizinischen Betrachtung.
Wir müssen nicht aus jeder wissenschaftlichen Beobachtung eine Gewissheit machen. Aber wir sollten das, was wir bereits wissen, auch ernst nehmen.
Denn Mundgesundheit ist kein isolierter Teil unseres Körpers. Sie ist Teil unserer Gesundheit.
Parodontitis und Allgemeingesundheit in Wien 1020
Wenn Sie an Parodontitis erkrankt sind und gleichzeitig beispielsweise Diabetes, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, rheumatoide Arthritis oder andere gesundheitliche Risikofaktoren bestehen, beziehen wir diese Informationen in die Beurteilung Ihrer Mundgesundheit mit ein.
Auch wenn Sie eine Schwangerschaft planen oder bereits schwanger sind, beraten wir Sie gerne zur Zahnfleisch- und Mundgesundheit in dieser besonderen Lebensphase.
In der Zahnarztpraxis am Vorgartenmarkt in Wien 1020 betrachten wir Parodontitis deshalb nicht ausschließlich als Erkrankung einzelner Zahnfleischtaschen, sondern im Zusammenhang mit Ihrer persönlichen gesundheitlichen Situation.
