Karies behandeln – individuell, zahnerhaltend und so wenig invasiv wie möglich
Karies zu behandeln bedeutete lange Zeit für viele Patienten vor allem eines: Die erkrankte Stelle wird entfernt und der entstandene Defekt anschließend mit einer Füllung versorgt.
Diese Behandlung ist auch heute notwendig, wenn bereits entsprechend viel Zahnsubstanz geschädigt oder verloren gegangen ist.
Doch Karies beginnt wesentlich früher.
Wenn wir Veränderungen rechtzeitig erkennen und richtig beurteilen, können – abhängig vom Stadium und von der individuellen Situation – andere Möglichkeiten bestehen, den Kariesprozess zu kontrollieren oder gezielt zu behandeln, bevor eine klassische Restauration notwendig wird.
Karies zu behandeln bedeutet nicht automatisch, einen Zahn zu bohren. Entscheidend ist, welche Behandlung der Zahn in seinem jeweiligen Stadium tatsächlich benötigt.
Moderne Kariestherapie beginnt deshalb nicht mit der Frage, welche Füllung wir verwenden. Sie beginnt mit der Frage: Was braucht dieser Zahn jetzt?
Karies ist ein Prozess – deshalb entscheidet das Stadium
Karies entsteht meist über einen längeren Zeitraum.
Dabei können Mineralstoffe aus der Zahnhartsubstanz herausgelöst und unter geeigneten Bedingungen auch wieder eingelagert werden. Solange diese Vorgänge im Gleichgewicht bleiben, kann die Zahnsubstanz stabil bleiben. Überwiegt jedoch über längere Zeit der Mineralverlust, kann sich eine Karies entwickeln und zunehmend fortschreiten.
Für die Behandlung macht es deshalb einen wesentlichen Unterschied, in welchem Stadium wir eine Veränderung erkennen.
Ist die Zahnoberfläche noch erhalten? Ist der Kariesprozess aktiv? Bleibt eine Veränderung stabil oder schreitet sie fort? Ist bereits Zahnsubstanz verloren gegangen?
Diese Fragen entscheiden mit darüber, welche Behandlung sinnvoll ist.
Deshalb bedeutet die Diagnose „Karies“ nicht automatisch, dass jeder Zahn auf dieselbe Weise behandelt werden muss.
Moderne Kariestherapie berücksichtigt die individuelle Situation
Eine Kariesstelle entsteht nicht unabhängig von ihrer Umgebung.
Mundhygiene, Ernährungsgewohnheiten, Biofilm, Speichel und weitere individuelle Faktoren können beeinflussen, ob Karies entsteht und wie sich eine bereits vorhandene Veränderung weiterentwickelt.
Auch die bisherige Karieserfahrung eines Patienten kann wichtige Hinweise auf das zukünftige Risiko geben.
Welche Bedeutung die einzelnen Faktoren haben, ist individuell unterschiedlich. Deshalb betrachten wir nicht nur die einzelne Stelle am Zahn, sondern auch die Bedingungen, unter denen sie entstanden ist.
Eine einzelne Kariesstelle zu behandeln, ohne das individuelle Kariesrisiko mitzudenken, greift zu kurz.
Das Ziel eines modernen Kariesmanagements besteht deshalb nicht allein darin, einen vorhandenen Defekt zu versorgen. Es geht auch darum, die Voraussetzungen für weitere Karies möglichst günstig zu beeinflussen.
Welche Behandlung ist in welchem Stadium sinnvoll?
Abhängig vom Befund reichen die Möglichkeiten von der Unterstützung der Remineralisation über gezielte, substanzschonende Behandlungsverfahren bis hin zur restaurativen Versorgung, wenn bereits entsprechend Zahnsubstanz verloren gegangen ist.
Es geht dabei nicht darum, grundsätzlich möglichst wenig zu behandeln.
Es geht darum, so viel wie notwendig zu behandeln – und so viel natürliche Zahnsubstanz wie möglich zu erhalten.
Karies kontrollieren und Remineralisation unterstützen
Bei frühen Veränderungen mit noch erhaltener Zahnoberfläche kann es möglich sein, den Kariesprozess zu stoppen oder zu stabilisieren, ohne eine klassische Füllung anzufertigen.
Eine individuell angepasste Mundhygiene, geeignete Maßnahmen zur Remineralisation sowie die Berücksichtigung relevanter Ernährungs- und Risikofaktoren können dazu beitragen, den weiteren Mineralverlust zu begrenzen und das natürliche Gleichgewicht an der Zahnoberfläche zu unterstützen.
Bei der Remineralisation werden Mineralstoffe wieder in zuvor demineralisierte Zahnhartsubstanz eingelagert.
Das bedeutet nicht, dass bereits verloren gegangene Zahnsubstanz einfach wieder nachwächst. Entscheidend ist vielmehr, einen frühen Kariesprozess möglichst zu stoppen oder zu stabilisieren, solange die Voraussetzungen dafür gegeben sind.
Peptidbasierte Behandlung früher Karies
Für bestimmte frühe Kariesläsionen stehen darüber hinaus moderne peptidbasierte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Dabei werden spezielle Peptide eingesetzt, um die Remineralisation innerhalb einer beginnenden Kariesläsion gezielt zu unterstützen.
Das Verfahren setzt damit in einem Stadium an, in dem die Zahnoberfläche noch entsprechend erhalten ist und noch kein Defekt besteht, der restauriert werden muss.
Ob eine peptidbasierte Behandlung geeignet ist, hängt vom jeweiligen Befund ab. Nicht jede Karies und nicht jedes Stadium kommen dafür infrage.
Karies mikroinvasiv behandeln – Icon Kariesinfiltration
Bei bestimmten frühen Kariesläsionen kann eine Kariesinfiltration mit Icon infrage kommen.
Bei der Behandlung dringt ein speziell entwickeltes, sehr dünnfließendes Infiltrationsmaterial in die poröse Struktur der Kariesläsion ein und verschließt dort mikroskopisch kleine Poren. Dadurch wird die weitere Ausbreitung des Kariesprozesses gehemmt.
Das Verfahren unterscheidet sich damit grundlegend von einer klassischen Füllung.
Die peptidbasierte Behandlung und die Kariesinfiltration beruhen auf unterschiedlichen therapeutischen Prinzipien und kommen deshalb nicht automatisch für dieselben Befunde infrage.
Entscheidend ist nicht, welche Methode moderner erscheint, sondern welche für die jeweilige Karies medizinisch sinnvoll ist.
Wenn eine Restauration notwendig wird
Nicht jede Karies lässt sich non- oder mikroinvasiv behandeln.
Ist bereits so viel Zahnsubstanz geschädigt oder verloren gegangen, dass ein Defekt restauriert werden muss, ist eine entsprechende Behandlung notwendig.
Auch dann bedeutet zahnerhaltende Zahnmedizin jedoch nicht, grundsätzlich möglichst wenig zu tun. Sie bedeutet, den Umfang des Eingriffs an das medizinisch notwendige Maß anzupassen und dabei möglichst viel gesunde und erhaltungsfähige Zahnsubstanz zu bewahren.
Minimalinvasive Zahnmedizin bedeutet dabei nicht, eine notwendige Behandlung zu vermeiden. Sie bedeutet, nur so viel Zahnsubstanz zu entfernen, wie medizinisch erforderlich ist.
Wenn Zahnsubstanz ersetzt werden muss: Biomimetische Zahnmedizin
Muss ein Zahn restauriert werden, stellt sich eine weitere Frage: Wie können wir die verlorene Struktur wiederherstellen und gleichzeitig möglichst viel vom natürlichen Zahn erhalten?
Hier schließt sich die biomimetische Zahnmedizin an.
Sie orientiert sich bei der Wiederherstellung geschädigter Zähne – wo medizinisch sinnvoll und möglich – an der natürlichen Struktur, Funktion und Belastbarkeit des Zahnes.
Minimalinvasive Präparation, adhäsive Behandlungstechniken und eine möglichst substanzschonende Rekonstruktion gehören zu diesem Konzept.
→ Mehr über Biomimetische Zahnmedizin
Denn natürliche Gesundheit zu erhalten ist, wo immer es möglich ist, besser, als verlorene Strukturen ersetzen zu müssen.
Behandlung bedeutet auch langfristige Kontrolle
Eine Kariestherapie endet nicht unbedingt mit einer einzelnen Maßnahme.
Gerade bei frühen Veränderungen ist es wichtig zu beobachten, wie sich ein Befund weiterentwickelt.
Bleibt die Stelle stabil? Gibt es Hinweise darauf, dass der Kariesprozess zum Stillstand gekommen ist? Oder zeigt sich eine weitere Veränderung?
Auch das individuelle Kariesrisiko kann sich im Laufe der Zeit verändern.
Regelmäßige Kontrollen ermöglichen es, diese Entwicklung zu beurteilen und die weitere Betreuung bei Bedarf anzupassen.
Beobachten und kontrollieren sind Teil der Behandlung – nicht das Warten auf die nächste Karies.
So entsteht aus einer einzelnen therapeutischen Maßnahme ein langfristiges Kariesmanagement.
Von der Diagnose zur passenden Behandlung
Moderne Kariestherapie bedeutet für uns, nicht jede Karies nach demselben Schema zu behandeln.
Der Weg kann – abhängig von der individuellen Situation – unterschiedlich aussehen:
- Karies erkennen und beurteilen
- individuelles Risiko berücksichtigen
- Kariesprozess kontrollieren und Remineralisation unterstützen
- bei geeigneten Befunden gezielt non- oder mikroinvasiv behandeln
- restaurieren, wenn es notwendig ist
- natürliche Zahnsubstanz möglichst erhalten
- langfristig kontrollieren
Nicht jeder Zahn benötigt jeden dieser Schritte. Entscheidend ist, die Behandlung an den tatsächlichen Befund anzupassen.
Zahnerhalt bedeutet nicht, möglichst wenig zu tun. Zahnerhalt bedeutet, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zu tun.
Häufige Fragen zur modernen Kariestherapie
Muss Karies immer gebohrt werden?
Nein.
Bei frühen Kariesstadien mit noch erhaltener Zahnoberfläche können je nach Befund Maßnahmen zur Remineralisation sowie non- oder mikroinvasive Behandlungsmöglichkeiten infrage kommen.
Ist dagegen bereits ein entsprechender Defekt entstanden oder ist eine restaurative Versorgung aus anderen medizinischen Gründen notwendig, kann eine Präparation des Zahnes erforderlich sein.
Entscheidend ist deshalb nicht allein, ob Karies vorhanden ist, sondern in welchem Stadium sie sich befindet und wie sie zu beurteilen ist.
Kann sich frühe Karies wieder zurückbilden?
Eine frühe Karies kann unter geeigneten Bedingungen gestoppt oder stabilisiert und die Remineralisation der veränderten Zahnhartsubstanz unterstützt werden.
Bereits verloren gegangene Zahnsubstanz wächst jedoch nicht einfach wieder nach.
Deshalb ist die Unterscheidung zwischen einer frühen Veränderung mit noch erhaltener Oberfläche und einem bereits entstandenen Defekt so wichtig.
Was bedeutet Remineralisation?
Bei der Remineralisation werden Mineralstoffe wieder in zuvor demineralisierte Zahnhartsubstanz eingelagert.
Dieser natürliche Vorgang findet an Zahnoberflächen fortlaufend statt und kann bei frühen Kariesstadien gezielt unterstützt werden.
Was ist der Unterschied zwischen peptidbasierter Behandlung und Icon?
Die beiden Verfahren beruhen auf unterschiedlichen therapeutischen Prinzipien.
Bei der peptidbasierten Behandlung wird die Remineralisation innerhalb einer geeigneten frühen Kariesläsion gezielt unterstützt.
Bei der Icon-Kariesinfiltration dringt ein speziell entwickeltes Infiltrationsmaterial in die poröse Struktur einer geeigneten Läsion ein und verschließt dort mikroskopisch kleine Poren.
Welche Behandlung infrage kommt, hängt vom jeweiligen Befund ab.
Was passiert, wenn eine Füllung notwendig ist?
Wenn Zahnsubstanz bereits so weit geschädigt oder verloren gegangen ist, dass eine Restauration notwendig wird, muss der Defekt entsprechend versorgt werden.
Auch dann bleibt unser Ziel, den Eingriff auf das medizinisch notwendige Maß zu begrenzen und möglichst viel gesunde und erhaltungsfähige Zahnsubstanz zu bewahren.
Bedeutet minimalinvasiv, dass möglichst nie gebohrt wird?
Nein.
Minimalinvasiv bedeutet nicht, eine notwendige Behandlung zu vermeiden oder hinauszuzögern.
Es bedeutet, den Umfang des Eingriffs an die tatsächliche medizinische Notwendigkeit anzupassen und gesunde bzw. erhaltungsfähige Zahnsubstanz möglichst zu schonen.
Moderne Kariestherapie in der Zahnarztpraxis am Vorgartenmarkt
In der Zahnarztpraxis am Vorgartenmarkt in 1020 Wien verstehen wir moderne Kariestherapie als individuell abgestimmtes Konzept zum langfristigen Erhalt natürlicher Zähne.
Am Anfang steht die sorgfältige Beurteilung: Was geschieht an diesem Zahn – und welche Behandlung ist in dieser Situation tatsächlich notwendig?
Bei frühen Veränderungen kann es möglich sein, den Kariesprozess zu kontrollieren, die Remineralisation zu unterstützen oder geeignete non- und mikroinvasive Behandlungsmöglichkeiten einzusetzen.
Ist eine Restauration notwendig, bleibt der möglichst weitgehende Erhalt gesunder natürlicher Zahnsubstanz ein wesentlicher Bestandteil unserer Behandlungsplanung.
Diagnostik, individuelle Risikobeurteilung, Therapie und langfristige Kontrolle gehören deshalb für uns zusammen.
So viel wie notwendig behandeln – und so viel natürliche Zahnsubstanz wie möglich erhalten.
